| 1975 | Mainz | in Bearbeitung |
| 1976 | Wien | in Bearbeitung |
| 1977 | Ulm | in Bearbeitung |
| 1978 | Köln | in Bearbeitung |
| 1979 | Straßburg | in Bearbeitung |
| 1980 | Lübeck | in Bearbeitung |
| 1981 | Groningen | in Bearbeitung |
| 1982 | Reims | in Bearbeitung |
| 1983 | Nürnberg/Regensburg | in Bearbeitung |
| 1984 | Speyer | in Bearbeitung |
| 1985 | Konstanz | |
| 1986 | Mailand | |
| 1987 | Danzig | |
| 1988 | Passau | |
| 1989 | Schleswig | |
| 1990 | Mainz | |
| 1991 | Wesel/Xanten/Essen | |
| 1992 | Basel | |
| 1993 | Dresden/Meißen | |
| 1994 | Schwäbisch Gmünd | |
| 1995 | Berlin | |
| 1996 | Bamberg | |
| 1997 | Wien | |
| 1998 | Köln | |
| 1999 | Prag | |
| 2000 | Freibung im Breisgau | |
| 2001 | Ulm | |
| 2002 | Osnabrück | |
| 2003 | Dresden/Meißen | |
| 2004 | Halberstadt/Magdeburg | |
| 2005 | Brandenburg an der Havel | |
| 2006 | Straßburg | in Bearbeitung |
| 2007 | Soest | in Bearbeitung |
In allen Jahren und an allen Orten wiederholten sich die Themen BAUERHALTUNG, STEINFESTIGUNG, SICHERUNG von GLASMALEREIEN, SKULPTUREN, AUSMALUNGEN und AUSSTATTUNGEN. Was war das jeweils Besondere, Spezifische, die Tagung gerade im Augenblick Interessierende?
Tagungsschwerpunkt: Das Konstanzer Münster Unsere Liebe Frau mit seiner vielfach noch ungeklärten älteren und jüngeren Baugeschichte, die Gesamtrestaurierung der Welserkapelle und das besondere Baudenkmal der Mauritius-Rotunde, einer „Inkunabel des Bodenseeraums“.
Weitere Objekte und Exkursionsziele:
Kongressthema: Die Aktualität der gotischen Kathedrale. Stadt und Kirche feiern 600 Jahre Mailänder Dom S. Maria Nascente (1386–1986) und 20 Jahre Sanierung des Innenraums (1965–1985) mit vollständiger Erneuerung sämtlicher Dompfeiler. „Zum Einsturz hätte nicht viel gefehlt.“ (FAZ 5. 7. 86).
Aufteilung der Tagungsabschnitte:
Eine Tagesexkursion führte nach Stresa am Lago Maggiore und zu den Borromäischen Inseln. Dort Gründung der „Vereinigung der Europäischen Kathedralen“.
Tagungsschwerpunkt: Rekonstruktion als Antwort auf eine geplante „damnatio memoriae“, d. h. Wiederauferstehung der in den letzten Jahren des 2. Weltkriegs zu 95 % zerstörten alten Hansestadt und ihrer Kirchen als „wertvolles europäisches Kulturgut“, als „Akt des Gemeinschaftsbewusstseins“, als „Ausnahme von der Regel“.
Tagungs-Ausrichter war die Danziger Sektion des polnischen Architektenverbandes in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Jerzy Stankiewicz von der Danziger Universität und mit Prof. Dr. Wolf-gang Deurer (Wesel), der vielfache Bindungen zu dieser Stadt hat.
Tagungsexkursionen nach Oliva, Pelplin und zur Marienburg an der Nogat.
Ich konnte wegen einer Auslandsreise nicht teilnehmen und habe keine Tagungs-Dokumentation.
Tagungsthema: Der Schleswiger Dom im Mittelalter, im 19. Jahrhundert und in der Gegenwart mit seinen Problemen vor allem am Turm infolge stark salzhaltiger Meereswinde und die Restaurierung der Schwahl-Malereien (d. h. im Schleswiger Domkreuzgang). Besonderes Interesse galt dem 470 Jahre alten, großen Bordesholmer Altar im Dom und seinen verschiedenen Restaurierungen bis heute.
Tagungsexkursion zu mehreren kleinen Granit-Quader-Kirchen, nach Flensburg zur Marien-Kirche sowie zu den Schlössern Glücksburg und Gottorf.
Erstmals kommen Kollegen bzw. Referenten aus der ehem. DDR von Greifswald, Stralsund und Magdeburg mit Vorträgen über ihre Dome und Großkirchen zu Wort.
Tagungsschwerpunkt: Die Mainzer Kirchenlandschaft, allen voran der große doppelchörige Dom, ferner St. Ignaz und St. Peter; dazu am Exkursionstag die Einhardsbasiliken in Seligenstadt und in Michelstadt-Steinbach. Zum Tagungsprogramm in Mainz gehörte ferner ein Besuch des zweiten doppelchörigen Kaiserdoms in Worms mit seinen umfangreichen neuen Glasmalereien von Heinz Hindorf aus Michelstadt und von Paul Weigmann aus Leverkusen.
In mehreren der besuchten Kirchen bis hin zum Wormser Dom standen diesmal insbesondere neue Orgeln im Mittelpunkt des Interesses.
Neu waren diesmal auch Referate über neue Techniken wie Bauaufnahmen durch Bildmessung und deren elektronische Auswertung.
Das von Wesel organisierte Treffen widmete jedem der drei Dome einen ganz eigenen Tag.
WESEL hat die größte evangelische Kirche im ganzen Rheinland, daher der Titel DOM. Im Krieg fast verloren, lebt er in reduzierter Form als eindrucksvolles Baudenkmal weiter, beispielsweise ganz ohne seinen ursprünglichen Kapellenkranz.
XANTENs Dom litt ebenfalls schwer unter Kriegseinwirkungen, besonders der bedeutende gotische Kreuzgang. Die kostbare Ausstattung war rechtzeitig gesichert worden. So blieben alle wertvollen Schnitzaltäre (wie im nahen Kalkar) erhalten.
ESSEN ist erst seit 1958 Bischofsstadt, das dortige „Münster am Hellweg“ erst seitdem Domkirche. Hier wie im einbezogenen Stadtteil WERDEN stehen bemerkenswerte frühmittelalterliche Großkirchen, beide im Übergang von Romanik zu Gotik erbaut, beide mit bedeutenden Westwerken und beide mit reichen Schatzkammern, besonders aus ottonischer Zeit.
Tagungsthema „Wider die Kopie“ (von Wolfdietrich Ebert, Venedig) kontrovers diskutiert: Sollen wir ganz ohne Kopien unserm schwierigen Überlieferungsauftrag zwischen Vergangenheit und Zukunft gerecht werden? „Kopien sind wichtige Nachrichten vom Original…“ (A. Wolff, Köln).
Reiches Anschauungsmaterial boten neben dem schönen romanischen Basler Münster und der neugotischen Elisabethkirche zwei Beispiele des 20. Jh. von Karl Moser in der Stadt: St. Paul in reinstem Jugendstil und St. Antonius als erster konsequenter Voll-Sichtbeton-Bau.
Tagungsexkursion zum Barockdom von Arlesheim, zum Goetheanum von Rudolf Steiner in Dornach, zur vorromanischen Cyriakuskirche in Sulzburg sowie zum elsässischen Thann mit seinem gotischen Münster und dessen besonders reich skulptierter Westfassade.
Tagungsschwerpunkt: Kirchenbau vor und nach der Wende. In MEISSEN, der „Wiege Sachsens“, steht hoch über der Elbe der Dom, die meist besuchte Kirche des Landes, berühmt für ihren edlen Innenraum (13./14. Jh.), für ihre sieben Stifterfiguren des „Naumburger Meisters“ und die Vollendung der gotischen Türme 1903 als „höchst geglücktes Ergebnis der Krönung des Burgbergs“.
In DRESDEN ging es um die Wiedergewinnung seiner Kirchen nach dem Bombeninferno vom Februar 1945: die Dreikönigskirche in der Neustadt, nach 1990 vorübergehend für den sächs. Landtag genutzt, heute wieder Gotteshaus mit Konferenzzentrum; dann vor allem die völlig am Boden liegende Frauenkirche von George Bähr (1726–1743).
Die evgl. Landeskirche und die evgl. Stadtgemeinde brauchen sie nicht und haben weder die Mittel für Wiederaufbau noch Nutzung und Erhalt. Aber Historiker, Stadtbildpfleger, die evangelische Kirche Deutschlands und ganz besonders die Dresdner Bürger rufen nach ihr als wichtigem Element der Stadtsilhouette, als Gegenpol zur katholischen Hofkirche und als „evangelischem Petersdom“.
Der Startrompeter Ludwig Güttler hat sich an die Spitze der Bewegung gesetzt, und so wird sie unter der Leitung unseres Kollegen und Vorsitzenden Baudirektor Eberhard Burger neu erstehen.
Tagungsexkursion nach Wechselburg mit romanischer Stiftskirche sowie ins Erzgebirge nach Freiberg und Annaberg.
Tagungsschwerpunkt: Die „Anti-Kathedrale“ als europäischer Schöpfungsbau im „schwäbischen Nazareth“, dem nie der Reformation beigetretenen Gmünd, im Gegenüber zu den Großkirchen der Île-de-France. Hier wie im benachbarten DINKELSBÜHL stehen zwei große, geschlossene, weiträumige Hallenkirchen mit kathedralähnlichen Ausmaßen, erbaut nicht von Bischof oder Domkapitel, sondern vom machtbewussten Bürgertum des 15./16. Jh.
In SCHWÄB. GMÜND wirkte die aus Köln kommende Parler-Familie, die von hier für den Veitsdom nach Prag geholt wurde. In DINKELSBÜHL steht mit dem Münster fast die ganze Innenstadt unter Denkmalschutz. Beide Städte erhielten in ihren Großkirchen wunderbare Raumschöpfungen. In beiden sorgen statische Probleme und Verwitterungen insbesondere der reichen Fenstermaßwerke für delikate Erhaltungsaufgaben. Zugleich geht es um die Sicherung mittelalterlicher Farbfassungen.
Tagungsthema: Der Berliner Dom. Berlin hat allerdings nicht nur einen Dom, es hat den Deutschen und den Französischen Dom am Gendarmenmarkt, es hat die St.-Hedwigs-Kathedrale als katholischen Dom und das Wilhelminische Bauwerk des protestantischen Doms als diesjährige Tagungsstätte, deren Geschichte im 15. Jh. begann als Berliner Schlosskapelle und Fürstengrablege. Schinkel, Persius und Stüler entwickelten im 19. Jh. Neubaupläne. Erst der 99-Tage-Kaiser Friedrich III. berief 1888 Julius Carl Raschdorf, den endlich erfolgreichen Dombaumeister, der mit seinem Sohn schon den Reichstag baute.
1905 Weihe des neuen Doms, kritisiert als barock-romanisch-byzantinisch-napoleonisches Gemisch. Zu DDR-Zeiten zum Abriss vorgesehen, ab 1972 direkt gegenüber dem Palast der Republik wieder vorzeigbar gemacht, ist er heute mit der Hohenzollerngruft vielfach bestaunt Die Devise: „Retten, was zu retten ist“, längst schon mit dem Geld der Bundesrepublik. Retten als Gesamtkunstwerk.
Aktuelle Hauptaufgaben: Wiederherstellung der Kunstverglasungen und der Kuppelmosaiken.
Weiteres Besuchsprogramm: Die Berliner Neue Synagoge und die Friedenskirche in Potsdam.
Bambergs vieltürmiger und doppelchöriger romanischer Kaiserdom und seine berühmten Tore: Gnadenportal und Adamspforte am Ostchor, das elffach gestufte Fürstenportal an der Nordseite. An der Adamspforte standen bis 1935 unter einzigartigen Zackenbögen und seitdem im Dom-Innern sechs Großskulpturen: Adam und Eva als erste nachantike Aktfiguren, Petrus und Stephanus als erste Repräsentanten der jungen Kirche Christi sowie Kaiser Heinrich II. mit seiner Gattin Kunigunde, die Bistums– und Domgründer.
Tagungsschwerpunkt: Das figurenreiche Fürstenportal, für besonders festliche Einzüge zur nördlich gegenüber liegenden bischöflichen Hofhaltung gerichtet, wird noch über Jahre die Fachleute beschäftigen.
Im Dom-Innern werden die mittelalterlichen Gegenpole Imperium und Sacerdotium, weltliche und geistliche Macht, eindrucksvoll in Westchor und Ostchor konkret: hier mit ritterlichem Georgs– und dort mit priesterlichem Petruspatrozinium. Bischofsdom und Civitas wirken wechselweise im Kunstwerk der urbanen Gesamtheit.
Tagungsexkursion: zur ehem. Zisterzienserabtei Ebrach mit ihren Problemen der statischen Sicherung.
Tagungsschwerpunkt: „Leben im Stein – 850 Jahre Stephansdom“. Staunenswert: a) die Leistungen der Bauleute, b) die ungezählten größeren und kleineren Tiere vom Turmfalken bis zu bisher unbekannten Mikro-Lebewesen im Fundamentbereich, vor allem aber c) die täglich erneuerte Wortverkündigung und Eucharistiefeier für die Menschen, die den Dom besuchen. Wichtigste Programmpunkte: die einmalige Riesendachkonstruktion, der skulpturale Schmuck und die ursprüngliche Farbigkeit von St. Stephan, das romanische Riesentor der Westfassade, der restaurierte „Heidenturm“ sowie Klimaforschung.
Streifzug durch Wien: zur Hofburg mit ihrem umstritten modern ausgemalten großen Saal („Provisorium oder rücksichtslose Überheblichkeit?“), zum Unteren und Oberen Belvedere, zum neuen Kirchenzentrum St. Benedikt am Leberberg, zu Fritz Wotrubas spätkubistischer Kloster-kirche in Wien-Mauer, zu Otto Wagners Sezessionskirche am Steinhof und außerhalb der Stadt zum Dom von St. Pölten, der Dorfkirche von Klein-Mariazell und zur Zisterzienserabtei Lilienfeld.
Tagungsschwerpunkt: 750 Jahre Kölner Dom – vollendete Kathedrale – Objekt des Glücks. „Der Dom ist nicht so kölsch wie die romanischen Kirchen“ (Heinrich Böll), aber nicht nur für Rheinländer Synonym für die Metropole am Rhein, sondern von herausragender religiöser, kultureller und wirtschaftlicher Bedeutung für ganz Westdeutschland.
Keine andere Kathedrale ist so vollkommen konzipiert, „eine unvergleichliche Bauleistung des 13. Jh. aus den Händen des 19. Jh.“ (UNESCO). Er wurde zum Symbol für Religion, Kunst und Vaterland.
Der DBM-Kollege Prof. Dr. Arnold Wolff verabschiedete sich nach 38 Jahren von „seinem“ Dom und übergab seinen Dienst an die erste Dombaumeisterin in der Kölner Baugeschichte, Prof. Dr. Barbara Schock-Werner.
Führungen: von den Fundamenten und archäologischen Grabungen zum Dom-Innern, von den Außenseiten zu den Dächern und in die Türme, begleitet vom Staunen über die vielen Innovationen, zugleich auch über die unübersehbar großen Schäden im Natursteingebirge dieses Mammutbauwerks!
Vaclav Havel, der tschechische Präsident, hatte selbst eingeladen zur Tagung auf der Prager Burg, seinem Amtssitz, zu dem auch der St. Veitsdom, Prags Wahrzeichen gehört. Sein Baumeister, unser Kollege Petr Chotebor, soll die Großkirche nicht nur erhalten, sondern dafür sorgen, dass die Menschen darin beten und Gott loben könnten!
Tagungsthema: DBM Peter Parler starb vor 600 Jahren 1399. Er kam 23jährig als Architekt und Bildhauer aus Schwäb. Gmünd und leitete eine neue Phase der Gotik ein.
DBM Joseph Mocker starb vor 100 Jahren 1899. Er entfernte alle späteren Zutaten, die seiner Meinung nach Peter Parler zuwider liefen. Er entwarf die ganz neugotische Westfassade und zeigte sein Sondertalent auch da, wo er angeblich nur auf Parlers Originalentwürfe zurück griff. Peter Parler, das Baumeister-Genie, erfand für jede neue Situation neue Lösunden, weg von der strengen Gotik Frankreichs, vor allem die schon in Gmünd erprobte ein– und ausschwingende Obergadenwand. Er belebte die Spätgotik und forcierte zugleich deren Ende als Individual-Mensch eines Renaissance-Künstlers.
Die Königskathedrale Karls IV. betritt man offiziell von Süden her unter dem Gerichtsmosaik der Goldenen Pforte hindurch. Land, Kathedrale und Krone gehören dem hier verehrten Patron St. Wenzel und sind dem König nur geliehen wie das Petrusamt dem jeweiligen Papst!
„Der schönste Turm der Christenheit steht in Freiburg“, erbaut von Hans von Gmünd aus dem Parlerkreis mit einem genialen Maßwerkhelm. Er gehört zum gotischen Münster, der einzigen im Mittelalter zu Ende gebauten Kathedrale in Deutschland. Nach schwersten Bombenschäden im November 1944, als 80% der Stadt vernichtet wurden, steht sie wieder da. Im Mittelalter konnte sie errichtet werden dank des Reichtums aus den nahen Silberminen, im 19. Jh. „stilbereinigt“ werden, weil man das nach voran gegangener Barockisierug für geboten hielt. Nun ist auch diese Phase revidiert durch tw. „trockene“ Moderne.
Gerettet wurde und wird eine wunderbare Gesamtgestalt mit Portal-Tympana, die zu den besten Bildhauerarbeiten in ganz Deutschland gehören. Das Freiburger Münster wurde von Bürgern erbaut und von Bürgern erhalten. Als Bürgerkirche ist sie das weithin sichtbare Wahrzeichen der Schwarzwaldstadt.
Ziel der Tagungsexkursion: das Münster zu Breisach.
„In Ulm, um Ulm und um Ulm herum“ gab es nur ein Thema: Die Rettung der Großkirchen Europas im 3. Jahrtausend mit neuesten Wegen und Methoden der Dokumentation, Erhaltung und Restaurierung.
Auch hier hatte man nach einem Parler-Plan gebaut, der sich aber seit der Grundsteinlegung 1377 bis ins 19. Jh. mit jedem neuem Baumeister veränderte – von der zunächst dunklen Halle zur hellen Basilika mit drei gleich breiten Schiffen. Ulrich von Ensingens Kirchturm, mit 161,5 m der höchste der Welt, wurde auch erst 1875 nach aktualisiertem Entwurf Matthäus Böblingers vollendet.
Neben diesem Monumentalbauwerk mit seinen vielschichtigen Problemen und ebenso vielfältigen positiven und negativen Erfahrungen war kein Raum für andere Themen. Die alljährlichen Bauberichte von verschiedenen anderen Großkirchen sind allerdings fester Bestandteil der Tagungsprogramme.
Tagungsmotto: „Halte deine Augen offen über diesem Haus!“ ‚Hat es denn (noch) Sinn, vor der Jahrhunderte alten Verantwortung nicht zu resignieren?‘, so hinterfragt man inzwischen das schwierige und doch immer wieder schöne Tun als Beauftragter an einer europäischen Großkirche. „Zeit, Zuneigung, Zivilkultur und Zukunft“ sind bestimmende Faktoren unseres identitätstiftenden Handelns.
Viermal wurde der Osnabrücker Dom zwischen 780 und 1270 neu gebaut, die Türme und deren Helme noch öfter. Der zweite Weltkrieg zerstöre zwar nur die Domdächer, aber Schäden gibt es kontinuierlich. Man geht sie an nach drei heute überall üblichen Schritten: 1.) bauhistorische und wissenschaftliche Expertisen, 2.) baurestauratorisch konkrete Aufgliederung, 3.) mit Spezialisten erarbeiteter bautechnisch vielfältiger Maßnahmenkatalog.
Hier wie an mehreren anderen Domkirchen gibt es keine Bauhütte. Alles wird ausgeschrieben und an freie Anbieter vergeben.
Weiteres Tagungsprogramm: Einbeziehung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) sowie Besuch des Felix-Nussbaum-Museums von Daniel Libeskind, beide Einrichtungen in Osnabrück.
Tagungsschwerpunkt wie schon vor 10 Jahren (1993) : der einem Neubau gleiche Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche, die 2005 fertig sein wird, ein selten gewordenes und staunenswertes baumeisterliches Erleben in allen Phasen, mit allen Problemen und teilweise höchst modernen Lösungen. Die Themen: Das neue Traggefüge der Frauenkirche, Spannanker der neuen Kuppel, Wetterschutzdach und Lehrgerüste, Werkplanug – Steinfertigung – Logistik, Restaurierung des Hochaltars und schließlich die Finanzierung.
Wie vor 10 Jahren gehörte der zweite Tagungsteil dem MEISSENER DOM, seinen Bauschäden und Restaurierungsmaßnahmen, den zu sichernden Verglasungen und Skulpturen, speziell auch der Achteck-Kapelle, der neuen Dombauhütte sowie der neuen „Monumentenwacht“.
„Wir sind Bettler, das ist wahr!“ (Martin Luther). Es kann nicht der Sinn unseres Totaleinsatzes sein, sich an den Gotteshäusern lediglich zu ergötzen, wenn gleichzeitig die Herzen verstockt sind. Die Kirchen sind Lebenshilfen, wo jedermann „wohnen darf im Haus des Herrn“. Künste und Liturgie ermöglichen sinnenhafte Erfahrung der Nähe Gottes unter den Menschen.
HALBERSTADT war der Tagungsort. Drei Projekte am Dom: 1.) das Kalkstein-Projekt am Westportal und seinen Skulpturen aus dem 13. Jh. mit Hilfe von Geo-Radar und Ultraschall, 2.) das Glasmalerei-Projekt und 3.) das Schatzkammer-Neubau-Projekt in Erinnerung an die Stadtgründung durch Karl d. Gr. vor genau 1200 Jahren sowie an den Gründerbischof Hildigrim (Bruder des Gründerbischofs von Münster St. Liudger).
Themen am MAGDEBURGER DOM: die geniale Turmhelm-Konstruktion, die prachtvolle Chorlösung mit dem Grabmal Kaiser Ottos I., der nördliche Portalvorbau, das „Paradies“ mit den wundervollen Skulpturen der „klugen und törichten Jungfrauen“, die neu entdeckten Spuren des mittelalterlichen Ausmalungssystems und die kommende 93-Register-Orgel.
Tagungsmotto von Bischof Prof. Wolfgang Huber (Ratsvors. der EKD): „Die Kirchen gehören zu den hoffnungsvollen Zeichen – auch im 21. Jh. Baut und erhaltet auf der Basis von Hoffnung!“
Die Stadt Brandenburg und ihre ganze Kirchenlandschaft zeigten ihre „Auferstehung in Ruinen“ (angelehnt an die bekannte DDR-Hymne) zwischen 1945 und 1999 trotz Krieg und ideologischem Gegenwind anhand von 35 Beispielen in einer Ausstellung im Domkreuzgang.
Das umfangreiche Gesamtprogramm des zu betreuenden und ständig zu pflegenden Brandenburger Domstifts umfasst vor allem den Dom selbst mit seinen teils schwer wiegenden und großenteils schon behobenen Standsicherheitsproblemen, dann den Kreuzgang und die Petrikapelle, Archiv, Museum, Schule, Gymnasium, Katechetisches Institut, Predigerseminar und Dom-Café sowie weitere Aktivitäten in Bauverwaltung, Jugend– und Arbeitslosenaktivitäten u.v.a.m. In alles gab es umfassende Einblicke.
Berlin und Potsdam haben lange alle Erneuerungsbewegungen auf sich konzentriert. Um so verständlicher, dass hier vieles nach zu holen ist. Es war zu sehen beim Stadtrundgang zu den Kirchen St. Georgen, St. Katharinen und St. Pauli, der gewaltigen Wiederaufbaustelle.
Bearbeiter:
| hd | Dr.-Ing. Heinz Dohmen, Dombaumeister a. D., Essen Ehrenmitglied im Dombaumeister e.V. |