Steckbriefe




Basler Münster

Basler Münster
Münsterplatz
4001 Basel
Münsterbaumeister
Peter Burckhardt Architekt SIA
St. Alban-Vorstadt 53a
4052 Basel
Münsterbauhütte Basel
St. Alban-Tal 43
4052 Basel
Tel.: +41/061 272 87 93
muensterbauhuette@baslermuenster.ch
www.baslermuenster.ch


Rheinseite vom Nordosten

Westfassade


1. Baugeschichte

Der Münsterhügel war bereits in spätkeltischer Zeit (1.Jh. v. Chr.) besiedelt. Zwischen 20/40 v. Chr. und gegen Ende des 4. Jh. n. Chr. errichteten die Römer auf dem strategisch wichtigen Münsterhügel Kastelle als militärische Stützpunkte. Nachdem die Legionen die Stadt verlassen hatten, richteten sich die aus der Gegend von Kaiseraugst (Augusta Raurica) kommenden Bischöfe auf dem Münsterhügel ein. Zu welchem Zeitpunkt sich das Domkapitel dort niederliess und die erste Kirche gebaut wurde, ist nicht überliefert. Sicher ist jedoch, dass es spätestens im 8. Jh. vollzogen war. Mit Bischof Haito (um 805-823), dem Abt von Reichenau, beginnt die Überlieferung der Baugeschichte des Basler Münsters. Schriftliche Quellen belegen, dass Abt Haito die Kirche von Grund auf neu bauen liess. Die Haito-Kirche war wohl ein Saalbau mit Doppelturmfassade im Westen und eingezogener, halbrunder Apsis im Osten (später mit Aussenkrypta). Eine nächste grössere Bauphase erfolgte unter Kaiser Heinrich II und seiner Frau Kunigunde, zur Zeit des Bischofs Adalbero II (um 999-1025). 1019 wurde das sog. „Heinrichsmünster“ geweiht. Dieser Bau wurde vorwiegend auf den Fundamenten des Vorgängerbaus errichtet, jedoch gegen Osten hin erweitert.

Im letzten Drittel des 12. und zu Beginn des folgenden Jh. entstand über dem Grundriss des Vorgängerbaus wiederum ein dreischiffiger, um ein Querhaus erweiterter Kirchenbau.

Nach dem verheerenden Erdbeben von 1356, das für den Einsturz der vier Ecktürme, des möglichen Vierungsturms, des Chors und des Mittelschiffgewölbes verantwortlich war, wurde unter der Leitung von Johannes von Gmünd (Parler) ein Wiederaufbau der Kirche in Angriff genommen. Die Neuweihe erfolgte 1363.

1429 wurde mit dem Umbau des grossen Kreuzgangs begonnen, zwischen 1467-87 wurde der kleine Kreuzgang erbaut. Im 15. Jh. wurde an den Westtürmen weitergearbeitet, der Georgsturm war 1428/29 vollendet, der Abschluss des Martinsturms erfolgte 1500.


2. Baugestalt

Das Basler Münster präsentiert sich heute als fünfschiffige Basilika mit Doppelturmfassade im Westen und einem erhöhten, polygonalen Chor mit Chorumgang im Osten. Bei den äusseren Seitenschiffen handelt es sich ursprünglich um Grabkapellen, die (ab dem 13. Jh.) zu selbständigen Seitenschiffen verbunden wurden.

Der Innenraum mit dreigeschossigen Mittelwänden (Arkadenzone, Empore, Obergaden) gilt als ausgereifte Schöpfung der spätromanischen Architektur. Die Gewölbe hingegen sind gotisch (nach dem Erdbeben von 1356 neu errichtet). Die Länge des Mittelschiffs (bis zur Chorwand) misst 66,22 m, die Höhe beträgt zwischen 19.90m bis 20.40m, die Breite des Mittelschiffs 19.90m.

Die (nahezu) quadratische Vierung im Schnittpunkt zwischen Langhaus und Querhaus ist durch eindrückliche Bündelpfeiler hervorgehoben. Auf Vierung und Querhaus folgt nochmals ein halbes Gewölbejoch, das von zwei quadratischen Seitenjochen flankiert wird. Abgeschlossen wird die Ostseite durch einen fünfseitigen, erhöhten Umgangschor. Unter der Vierung befindet sich die Krypta, die über je eine Treppe beidseitig von den Querschiffarmen aus betreten werden kann. Vor der Vierung stand ein Lettner (1381), der Mitte des 19. Jh. ans Westende des Mittelschiffs versetzt wurde und seither als Orgelempore dient.

Als einzige ehemalige Bischofskirche der Schweiz besitzt das Münster Türme, die noch im Mittelalter vollendet wurden. Der Nordturm (Georgsturm) ist 67,3m, der Südturm (Martinsturm) 65,5m hoch.


3. Ausstattung


Kanzel (1486)
Von der mittelalterlichen Ausstattung des Münsters blieb infolge des Bildersturms von 1529 nur ein Bruchteil erhalten. Einige ausgewählte Beispiele:


Grabmal der Königin
Anna von Habsburg (1281)

Baumeistertafel (um 1200)


4. Besonderheiten


Galluspforte (um 1180)



5. Restaurierungen


Martinsturm
Im 16.-18. Jh. vor allem kleinere Restaurierungsarbeiten. Zwei grosse Restaurierungen fanden im 19. Jh. statt, jene im Innenraum (1852-1857) und jene an der Aussenfassade (1880-1890), welche noch heute das Aussehen des Baus bestimmen. Eine wesentliche Veränderung erfuhr der Innenraum, indem der Lettner abgebrochen und im Westen als Orgelempore wieder aufgebaut wurde (1852-57). Eine weitere Innenrenovation (1975) machte einige Eingriffe aus dem 19. Jh. wieder rückgängig, so wurde das Bodenniveau im Lang- und Querhaus wieder abgesenkt, in der Vierung hingegen erhöht.

Mit der Neugründung der Münsterbauhütte 1985 setzte eine systematische Restaurierung des Münsters ein.


6. Nutzung

Infolge der Reformation ging das Münster an die evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt über; es wird auch heute noch rege für Gottesdienste kirchliche Feiern und Konzerte genutzt. Seit der Trennung von Kirche und Staat 1911 ist die evangelisch-reformierte Kirche die alleinige Besitzerin des Gebäudes, wobei sich der Kanton Basel-Stadt zu drei Vierteln an den Kosten zum Unterhalt des Aussenbaus beteiligt.


Innenraum gegen Osten 1180
Chor und Gewölbe 1360-1420