Steckbriefe




Dom zu Zwickau

Dom zu Zwickau
Domhof 10
08056 Zwickau
Tel.: 0375/2743510
Fax: 0375/2743515
Ev.-Luth. Nicolai-Kirchgemeinde Zwickau
Bockwaer Weg 5
08056 Zwickau
Ev.-Luth. Bezirkskirchenamt Zwickau
Superintendentur
Domhof 10
08056 Zwickau
Büro für Baupflege beim Bezirkskirchenamt
Lothar-Streit-Straße 19
08056 Zwickau
Kirchenbaurat Gabriel Püschmann (Dipl.-Ing.)
Tel.: 0375/294275     Fax: 0375/294276
E-Mail: gabriel.pueschmann@evlks.de
 
1. Baugeschichte
 
Die Anfänge der Kirchengeschichte im Territorium Zwickau reichen bis ins Jahr 1118 zurück. Mit der Gründung der Rechtsstadt Zwickau durch Kaiser Barbarossa entstand zwischen 1180 und 1190 St. Marien durch Übertragung des Patroziniums von einer der im Territorium vorhandenen Vorgängerkirchen als romanische Saalkirche und ist seit dem Hauptkirche der Stadt. Hier predigten Egranus und Thomas Müntzer im reformatorischen Geist.

Die ersten Bauten wurden 1328, 1383 und 1403 durch Brand zerstört bzw. geschädigt. 1453 bis 1470 Errich-tung eines neuen Chores, 1476 bis 1483 folgten die doppelgeschossigen Vorbauten zur Stützung des Turmes und die Umgestaltung der Westpartie. Nach 1506 erfolgten Umbauten durch P. Heierliß und Caspar Teicher. 1563 mussten die Chorpfeiler und -gewölbe erneuert werden, der barocke Turmaufsatz entstand 1677 durch J. Marquardt. Die heutige Baugestalt erhielt sie im Wesentlichen 1565. 1839 und 1885 begannen jeweils zwei umfassende Restaurierungen und Umbauten in neogotischer Formensprache.




Brauthallenportal
Skulpturenzyklus 19. Jh.

Astwerkportal Nordseite
 
2. Baugestalt
 
Der Dom St. Marien ist eine große spätgotische Hallenkirche mit eingezogenem Hallenchor und 5/15 Schluss. Dem 87 m hohen Westturm mit 2 quadratischen Untergeschossen und achteckigen Obergeschossen ist ostseits die 3-schiffige Halle von 6-Jochen Länge vorgelagert. Die vielfachen Umbauten lassen sich an der Baukörpergestalt ablesen. Mittel- und Seitenschiffe sind mit verschiedenartigen Netz- und Sternengewölben versehen. Den Kirchenraum umziehen steinerne Emporen mit frei auskragenden kanzelartigen Vorsprüngen, unter denen durch die eingezogenen Strebepfeiler Kapellen entstanden. Über der nördlich vom Chorraum liegenden Sakristei befindet sich der Sängerchor.


Langhaus und Chor nach Osten


Langhaus nach Westen
 
3. Ausstattung
 
Die wertvollsten Ausstattungen sind:
  • Haupt- und Marienaltar von Michael Wolgemut von 1479
  • Kanzel und Taufe in Sandstein von Paul Speck 1538
  • Heiliges Grab von Michael Heuffner als Schnitzwerk von 1507
  • Pieta von Peter Breuer 1502
  • bedeutende Epitaphien von Hans Hesse, W. Krodel, Lukas Cranach d.Ä. und Johann Heinrich Böhme
  • Figurenzyklus 19. Jh. an der Fassade der Kirche umlaufend mit Figuren aus dem Alten und Neuen Testament, Reformatoren, Fürsten und Bürgern, die sich um die Reformation verdient gemacht haben.

Wolgemut-Altar 1479 geföffnet


Heiliges Grab 1507

Beweinung Christi 1502 von P. Breuer


Aufgang zur Kanzel 1538 P. Speck
4. Besonderheiten
 
Die Kirche ist besonders beeindruckend durch ihre Weiträumigkeit, die durch die Offenheit des Chores gesteigert wird. Die dreischiffige Halle hat fast quadratischen Grundriss. Als Besonderheit darf auch der Wendelstein gelten, eine mit zwei übereinanderliegenden Treppenläufen verbundene Anlage. Reizvoll die Treppenspindel und das steigende Gewölbe einschließlich der schlitzartigen Verbindung beider Treppenläufe über den Handläufen.

Der Einfluss des Steinkohlebergbaues im 19. und 20. Jh. unter dem Zwickauer Stadtzentrum führte zu Senkungen des Bauwerkes um ca. 3,60 m. Der größte Senkungszuwachs war während des intensivsten Abbaues in der Zeit von 1931 bis 1935 zu verzeichnen. Damals senkte sich der Dom innerhalb von nur 4 Jahren um 1,30 m.
 
5. Restaurierungen
  1839 bis 1841
Behebung von Schäden unter gutachterlicher Begleitung Gottfried Sempers
  1885 bis 1891
Restaurierung unter Leitung des Königlich-Sächsischen Baurates Dr. O. Mothes, Stilisierung zum hochgotischen Erscheinungsbild, besonders äußerer Baukörper
  1945 bis 1957
Beseitigung von Kriegsschäden
  seit 1990
kontinuierliche Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten an Fassade und Innenraum, besonders zu erwähnen, die statische Sicherung des Baugefüges aufgrund des Einflusses durch den Steinkohlenbergbau und dadurch bedingten Setzungen und Hebungen am Baukörper.
 
6. Nutzung
 
Der Dom wird durch die Ev.-Luth. Nicolai-Kirchgemeinde besonders zu gottesdienstlichen Zwecken genutzt. St. Marien ist Ephoralkirche und damit auch eines der kirchenmusikalisch wichtigsten Zentren der Region Zwickau.